In den letzten Ausgaben ging es um die Rahmenbedingungen: Was ist bei der Sicherheit zu beachten? Muss KI gekennzeichnet werden? Und was steckt hinter dem Begriff KI Agenten?
Diesmal wird es bewusst handfest. Denn die beste Art, KI kennenzulernen, ist immer noch, sie an einer echten Aufgabe auszuprobieren. Dafür braucht es keine neue Software und kein großes Projekt. Ein normaler KI Chat und eine Aufgabe, die ohnehin auf dem Tisch liegt, reichen völlig aus.
Wir haben drei Situationen ausgewählt, die in fast jedem Bauunternehmen vorkommen.
Eine Regel gilt dabei für alle drei Beispiele: Namen von Bauherren, Adressen und andere personenbezogene Daten gehören nicht in einen öffentlichen KI Chat. Ersetze sie einfach durch Platzhalter wie „Bauherr A“ oder „Projekt Musterstraße“. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag aus dem März.
1. Nachträge nachvollziehbar begründen
Ein Bauherr wünscht während der Ausführung eine Änderung. Statt der geplanten Fenster sollen bodentiefe Elemente eingebaut werden, oder im Bad kommt eine zusätzliche Dusche dazu. Der Mehraufwand ist klar, die Kalkulation steht. Was oft fehlt, ist eine Begründung, die der Bauherr auch versteht.
Genau hier kann KI helfen. Sie kennt deine Kalkulation nicht und soll sie auch nicht ersetzen. Aber sie kann aus deinen Stichpunkten einen verständlichen, freundlichen Text formulieren.
So können Sie vorgehen:
Worauf Sie achten sollten: Die KI formuliert, Sie entscheiden. Prüfe jeden Satz darauf, ob er inhaltlich stimmt und ob Sie ihn so vertreten können. Gerade bei Nachträgen zählt jedes Wort.
2. Baubesprechungen protokollieren
Nach einer Baubesprechung liegen meist handschriftliche Notizen, ein paar Fotos und vielleicht eine Sprachnachricht vor. Daraus ein sauberes Protokoll mit Zuständigkeiten und Terminen zu machen, kostet Zeit und bleibt deshalb gern liegen.
Wie in unserem Beitrag aus dem Juli beschrieben, ist das Strukturieren unsortierter Informationen eine echte Stärke von KI.
So können Sie vorgehen:
Der letzte Satz ist wichtig. Er sorgt dafür, dass Lücken sichtbar werden, statt dass die KI sie mit plausibel klingenden Angaben füllt.
Worauf Sie achten sollten: Ein Protokoll kann später eine wichtige Rolle spielen. Lies es deshalb vollständig gegen, bevor Sie es verschicken.
3. Mängelmeldungen sortieren
Nach der Abnahme oder während der Gewährleistung kommen Meldungen auf allen Kanälen: per E-Mail, per Telefon, als Foto per Messenger. Oft sind sie unvollständig, manchmal betreffen mehrere Meldungen denselben Punkt, und nicht jede Meldung ist tatsächlich ein Mangel.
KI kann hier eine erste Ordnung schaffen.
So können Sie vorgehen:
So erhalten Sie eine übersichtliche Liste und siehst sofort, wo Sie beim Bauherrn noch nachfragen müssen, bevor ein Handwerker rausfährt.
Worauf Sie achten sollten: Ob ein Mangel vorliegt und wer zuständig ist, ist eine fachliche und oft auch rechtliche Frage. Diese Bewertung bleibt bei dir.
Was alle drei Beispiele gemeinsam haben
Vielleicht ist dir aufgefallen, dass die KI in keinem der Beispiele eine Entscheidung trifft. Sie formuliert, strukturiert und sortiert. Die fachliche Verantwortung bleibt beim Menschen.
Genau das macht diese Aufgaben zu einem guten Einstieg. Der Nutzen ist sofort spürbar, das Risiko bleibt überschaubar, und Sie lernen nebenbei, wie gute Eingaben aussehen.
Denn wie im Mai beschrieben: Die Qualität des Ergebnisses hängt vor allem von der Eingabe ab. Je klarer Sie sagen, was Sie brauchen und was die KI nicht tun soll, desto brauchbarer wird das Ergebnis.
Zum Schluss ein wichtiger Gedanke
KI muss nicht mit einem großen Digitalisierungsprojekt beginnen. Oft beginnt sie mit einer ganz normalen Aufgabe, die bisher einfach Zeit gekostet hat.
Der größte Fortschritt entsteht dabei nicht durch das perfekte Werkzeug, sondern durch regelmäßiges Ausprobieren.
Eine Aufgabe, eine Vorlage, ein echter Fall. So fängt KI im Arbeitsalltag an.
Liebe Grüße aus Dresden
Marcus Reiche